0417 Tankstelle Voegtlin Meyer

Das industriell geprägte Gebiet «Wildischachen» befindet sich am südlichen Siedlungsende der Stadt Brugg – flankiert von der «Aarauerstrasse», ist der Standort ideal fürs Betanken der Fahrzeuge, die auf dieser Kantonsstrasse unterwegs sind.

Die Tankstellenarchitektur nutzt diese Situation durch eine forcierte Ästhetik, insbesondere mittels zentralem Gestaltungsmerkmal einer wie «fliegenden» Dachscheibe. Die neue Tankstelle reminisziert damit in Form und Haptik jene Dachformen, wie sie aus der Nachkriegsmoderne bekannt sind, die damals ab 1920 bis 1930 und als Revival ab den 1950er-Jahren ebenso als neue ästhetische Formen im Fokus waren – Dächer, die durch ihre wirkende Leichtigkeit und suggerierende Offenheit in dieser Zeit von sich Reden machten. Drei ebenso filigrane Pilzstützen tragen das grosse Betondach, das so wirkt, als habe es kurz aufgesetzt auf diesen wie organisch erscheinenden Landepunkten – und hebe für die Fortsetzung seinerFlugreise bald wieder ab. Die Stützen, über die das Dach entwässert ist, definieren zugleich die Position der Zapfsäulen

Dach und Stützen verbinden sich optisch durch den eingesetzten Sichtbeton, sodass sich das Tankstellengebilde als einheitliche Gestalt zeigt. Das «Tankhaus» bildet mit seiner Farbigkeit den Kontrapunkt zur Betonästhetik und bildet den Abschluss der Anlage.

Projektbeteiligte

Planung und Ausführung | 2018 bis 2022
Bauherrschaft | Voegtlin Meyer AG
Bauingenieur | mund ganz + partner AG
Elektroingenieur | Schäfer Partner AG
HLKS Ingenieur | HT Weitblick AG
Tankplaner | Willi Schleger Tankanlagen
BIlder | Kuster Frey

" Tankstellen neubau in Brugg, der das konzeptionierte dach bewusst als objekt, als blickfang las "Element der schwebung" inszeniert"

Tragkonzept

Drei Fundamente mit Pilzstützen verankern das Dach und bringen die Lasten in den Boden. Das Dach ist in die Längsrichtung vorgespannt. Mittels temporären Öffnungen konnten die drei Etappen betoniert werden und nach dem aushärten des Beton die Vorspannung vollzogen werden. Diese Lösung wurde mit dem Ingenieur und Stahlton erarbeitet und ist eine Kompromisslösung zwischen Statik und den geometrischen Anforderungen. In der Querrichtung werden die Lasten mittels einer Überhöhung von 35mm aufgenommen. Die Stützen haben nebst der statischen noch eine weitere Funktion, sie dienen der Entwässerung welche im inneren der Stützen geführt werden. Die Bodenplatte unter der Tankstelle wurde betoniert. Dies schafft mit den Fundamenten eine homogene Erscheinung zwischen Dach und Boden.

Die von Arne Jacobsen 1936 entworfene Tankstelle steht stellvertretend für die Architektur der Tankstellen vor und nach dem zweiten Weltkrieg. Die Tankstelle wurde im Auftrag von Texaco entworfen und liegt nördlich von Kopenhagen im Küstenort Skovshoved. Das weit auskragende Dach mit der Mittelstütze gibt der Tankstelle einen öffentlichen Ausdruck. Die Tankstelle wird mit dem "Tankhaus" zu einem in sich stimmigen Objekt welches 80 Jahre nach dem Bau selbstverständlich im kleinen Küstenort steht. 

Die Tankstelle aus dem Jahre 1961 in Macon, Georgia folgt mit dem auskragenden, raumbildenden Dach den gleichen Grundsätzen. Die von Thomas Little erbaute Tankstelle zeigt die Materialität Beton und die Pfeiler haben zusätzlich einen technischen Nutzen mit der Entwässerung des Daches.

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